
Das Labyrinth von Hawara – Das sogenannte „Labyrinth von Hawara“ zählt zu den geheimnisvollsten Bauwerken des Alten Ägypten – und gleichzeitig zu denjenigen, die wir am wenigsten kennen. Antike Autoren wie Herodot, Strabon und Diodor berichten von einer gigantischen Anlage nahe dem Fayyum, mit tausenden Räumen, endlosen Korridoren und einem Tempelkomplex, der angeblich alle Pyramiden Ägyptens übertraf.
Doch wie sah dieses Labyrinth wirklich aus? Gab es die 3.000 Räume, von denen Herodot schrieb? Und was haben moderne Ausgrabungen tatsächlich ans Licht gebracht?
Dieser Artikel verbindet Mythos und Forschung und zeigt, was Reisende über dieses außergewöhnliche Monument wissen sollten.
1. Das Labyrinth von Hawara – Die Stadt der Pyramiden und Legenden
Hawara liegt am Eingang zur Fayyum-Oase, etwa 100 km südwestlich von Kairo.
Dort errichtete der Pharao Amenemhet III. (12. Dynastie, ca. 1850 v. Chr.):
- seine Pyramide
- einen zum Pyramidenkomplex gehörenden monumentalen Totentempel
- eine gewaltige administrativ-kultische Anlage
Dieser Tempelkomplex wurde später in griechisch-römischer Zeit als „Labyrinth“ bezeichnet.
Die Oase selbst war ein bedeutendes Wirtschaftsgebiet, geprägt von Landwirtschaft, Kanälen und religiösen Zentren.
2. Herodots Bericht – Das größte Gebäude der Welt?
Herodot (5. Jh. v. Chr.) beschreibt das Labyrinth als:
- größer als alle Tempel Griechenlands zusammen
- mit 12 Hofanlagen
- über 3.000 Räumen
- einem verwirrenden, unendlichen System von Gängen
Er betonte, dass selbst er nur die oberen Räume sehen durfte; die unteren, unterirdischen Kammern seien Grab- und Kultbereiche gewesen.
Es ist jedoch wichtig zu wissen:
Herodot besuchte Ägypten über 1.200 Jahre nach dem Bau des Labyrinths.
Vieles war zu seiner Zeit bereits zerstört oder von Sand bedeckt.
3. Was die moderne Archäologie wirklich fand
Im 19. Jahrhundert untersuchte Sir Flinders Petrie die Ruinen von Hawara und bestätigte:
- Es gab einen gewaltigen Tempelkomplex
- Die Fundamente deuten auf ein enorm großes Gebäude
- Der Grundriss war labyrinthisch – aber nicht in Herodots Ausmaß
Die Mauern selbst waren größtenteils verschwunden, da Bauern die Steine über Jahrhunderte als Baumaterial nutzten.
Forschungsergebnisse der letzten 20 Jahre
Geomagnetische und georadarbasierte Untersuchungen (u. a. durch das Mataha-Expeditionsteam 2008) zeigen:
- großflächige Strukturen südlich der Pyramide
- rechteckige Räume in mehreren Reihen
- massive Mauern, teils 3 m dick
- mehrere Hauptachsen, die ein komplexes Layout erkennen lassen
Diese Ergebnisse bestätigen:
Das Labyrinth war real, jedoch weniger mystisch als Herodots Beschreibung vermuten lässt.
4. Funktion des Labyrinths
Wissenschaftler gehen davon aus, dass es sich um einen administrativ-kultischen Komplex handelte:
- Gerichtshallen
- Speicher
- Archive
- Priesterunterkünfte
- Heiligtümer
- Bereiche für zeremonielle Feste
Amenemhet III. wollte offenbar einen Ort schaffen, der:
- Macht demonstrierte
- die Oasenregion kontrollierte
- den Totenkult für seine Pyramide sicherte
5. Die Pyramide von Hawara

Direkt westlich des Labyrinths steht die Pyramide des Amenemhet III. – heute stark erodiert, aber einst mit glänzendem Kalkstein bedeckt.
Ihr Inneres ist bemerkenswert:
- ein ausgeklügeltes Falltür-System
- ein gewaltiger Sarkophag aus Quarzit
- ein komplexer Gangplan
Viele Archäologen halten sie für eines der technisch anspruchsvollsten Bauwerke des Mittleren Reiches.
6. Warum ist vom Labyrinth heute so wenig übrig?
Die Gründe:
- Steinraub in römischer und später arabischer Zeit
- Verwendung der Materialien für Dörfer rund um den Fayyum
- Erosion durch Nilüberschwemmungen
- Sandverwehungen
Was bleibt, sind Fundamentreste – doch sie geben Hinweise auf eine der größten Tempelanlagen Ägyptens.
7. Mythos vs. Realität – Die Wahrheit liegt dazwischen
Herodot übertrieb sicherlich – doch sein Staunen hat einen realen Kern.
Fakten:
- Das Labyrinth war riesig
- Es war ohne Zweifel ein architektonisches Meisterwerk
- Es enthielt Komplexe für Verwaltung, Kult und Königsverehrung
- Der Grundriss war komplex und labyrinthartig
Mythos:
- 3.000 Räume
- unterirdische Gräberhallen voller Geheimnisse
- übernatürliche Rätsel
Trotzdem: Die Anlage war „mythisch“ genug, um Jahrtausende lang Bewunderung hervorzurufen.
8. Das Labyrinth von Hawara heute
Für Ägyptenreisende ist Hawara ein Ort der stillen Faszination:
- Die Pyramide ist als gewaltiger Lehmkern sichtbar
- Die Fundamente des Labyrinths zeichnen sich im Boden ab
- Das Fayyum bietet einzigartige Landschaften
- Wenige Touristen – ein Geheimtipp für Abenteurer
Neue Ausgrabungen könnten in den kommenden Jahrzehnten mehr enthüllen.
CTA – Ägyptika Reisen

✨ Entdecke Hawara – das geheimnisvolle Labyrinth des Mittleren Reiches!
Erkunde die Pyramide des Amenemhet III., die Reste des legendären Labyrinths und die beeindruckende Fayyum-Oase.
FAQ – Das Labyrinth von Hawara
1. Existierte das Labyrinth wirklich?
Ja – archäologische Untersuchungen bestätigen eine riesige Tempelanlage.
2. Warum sprach Herodot von 3.000 Räumen?
Seine Beschreibung ist übertrieben, basiert aber auf einem realen Komplex.
3. Kann man das Labyrinth heute besichtigen?
Nur die Fundamente sind sichtbar – aber der Ort ist dennoch faszinierend.
4. Wer hat das Labyrinth gebaut?
Pharao Amenemhet III. in der 12. Dynastie.
5. Werden heute noch Ausgrabungen durchgeführt?
Ja – neue geophysikalische Untersuchungen laufen regelmäßig.
Outbound-Links (echte URLs)
- World History Encyclopedia – Hawara
https://www.worldhistory.org/Hawara/ - British Museum – Middle Kingdom
https://www.britishmuseum.org/collection - Met Museum – Amenemhat III
https://www.metmuseum.org - Mataha Expedition (Archiv)
http://www.labyrinthofegypt.com/
