Die Goldene Tafel von Psusennes I – Der Silberkönig

Ein Meisterwerk königlicher Bestattungskunst aus der 21. Dynastie Ägyptens

Die Goldene Tafel von Psusennes I
Psusennes I

Die Goldene Tafel von Psusennes I : Ein königliches Relikt aus dem vergessenen Tanis

Die Goldene Tafel von Psusennes I : Die sogenannte Goldene Tafel des Psusennes I ist eines der eindrucksvollsten Relikte aus der späten Phase des ägyptischen Neuen Reiches. Gefunden wurde sie in Tanis, der einstigen Hauptstadt des nördlichen Ägyptens, und gehört zu den kostbarsten Ausstellungsstücken im Ägyptischen Museum in Kairo.

Die Tafel ist nicht nur ein Kunstwerk aus reinem Gold – sie ist zugleich ein spirituelles Zeugnis der tief verwurzelten altägyptischen Vorstellung vom Tod, der Wiedergeburt und dem Schutz im Jenseits.

Die Goldene Tafel von Psusennes I: Tanis – Die vergessene Königsstadt im Nildelta

Tanis
Tanis

Tanis, im Altägyptischen als Djanet bekannt, war eine der bedeutendsten Städte des nördlichen Ägyptens während der Dritten Zwischenzeit. Sie liegt im östlichen Nildelta, etwa 150 km nordöstlich von Kairo. In der 21. und 22. Dynastie diente Tanis sogar als politische und religiöse Hauptstadt des Landes – ein Zentrum königlicher Macht, das heute weit weniger bekannt ist als Theben oder Memphis.

Die Bedeutung von Tanis

Tanis wurde zur Residenzstadt der 21. Dynastie, insbesondere unter Pharaonen wie Psusennes I, Amenemope und Sheshonq I. In dieser Zeit entstand dort ein monumentales Tempel- und Gräberfeld, das stark an das berühmte Karnak in Theben erinnert – sowohl architektonisch als auch im rituellen Aufbau.

Die Tempelanlage war dem Gott Amun geweiht, zusammen mit seiner göttlichen Familie Mut und Chons. Dieser Amun-Kult ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Herrscher von Tanis versuchten, die religiöse Bedeutung Thebens auf den Norden zu übertragen.

Archäologische Bedeutung

Berühmt wurde Tanis durch die spektakulären Entdeckungen des französischen Archäologen Pierre Montet in den 1930er- und 1940er-Jahren. Dabei wurde das Königsgrab des Psusennes I fast unversehrt entdeckt – inklusive seiner silbernen Mumienmaske, einer Vielzahl von goldenen Amuletten, Kanopenkrügen und der berühmten Goldenen Tafel.

Im Gegensatz zum Tal der Könige in Luxor, wo viele Gräber geplündert wurden, blieben die Königsgräber von Tanis weitgehend verschont – eine archäologische Sensation.

Der „zweite Schatz von Tutanchamun“?

Obwohl Tanis als Fundort oft im Schatten der spektakulären Entdeckung des Grabes von Tutanchamun steht, sind die Grabbeigaben von Psusennes I von vergleichbarem Wert und künstlerischer Qualität. Manche Ägyptologen bezeichnen die Funde sogar als den „zweiten Schatz von Tutanchamun“ – nur mit dem Unterschied, dass sie viel später entdeckt wurden und weit weniger medial bekannt sind.

Besuch von Tanis heute

Tanis liegt heute abseits der klassischen Touristenrouten, ist aber besuchbar. Die Ausgrabungsstätte umfasst Ruinen des Amun-Tempels, zerfallene Kolonnaden, Sphingen und die Überreste königlicher Gräber. Wer sich für Ägyptologie interessiert und das ursprüngliche Ägypten jenseits der Touristenmassen erleben möchte, findet in Tanis einen echten Geheimtipp.


Wer war Psusennes I?

Psusennes I (reg. ca. 1040–992 v. Chr.) war ein König der 21. Dynastie, die zur sogenannten Dritten Zwischenzeit zählt – einer Epoche politischer Teilung, aber kultureller Kontinuität. Er regierte von Tanis im östlichen Nildelta aus, während Oberägypten vom Hohepriester des Amun in Theben verwaltet wurde.

Trotz der politischen Instabilität war die Herrschaft Psusennes I von großem kulturellem und religiösem Reichtum geprägt. Dies spiegelt sich besonders in seinem Grab wider, das 1940 von Pierre Montet entdeckt wurde – fast unversehrt, mit einer Fülle an goldenen Objekten.

Psusennes I – Der „Silberkönig“ Ägyptens

Silberkönig
Silberkönig – Psusennes I

Ein ungewöhnlicher Beiname macht Psusennes I in der ägyptologischen Forschung besonders bemerkenswert: Er wird oft als der „Silberkönig“ bezeichnet. Dieser Spitzname geht auf einen einzigartigen archäologischen Fund zurück – nämlich auf seinen Sarkophag aus massivem Silber.

Während die berühmte Totenmaske des Tutanchamun aus Gold gefertigt ist, wurde Psusennes I in einem Sarkophag aus reinem Silber beigesetzt – ein äußerst seltener Werkstoff für königliche Bestattungen im Alten Ägypten. Silber war in dieser Zeit sogar wertvoller als Gold, da es seltener vorkam und fast ausschließlich über den Handel aus dem Ausland eingeführt wurde.

Warum Silber?

Silber hatte nicht nur wirtschaftlichen, sondern auch symbolischen Wert. Es wurde mit dem Mond, mit Reinheit und göttlicher Erneuerung in Verbindung gebracht. In Kombination mit goldenen Grabbeigaben – wie der Goldenen Tafel – spiegelt der silberne Sarkophag die hohe spirituelle Bedeutung des Königs wider.

Die Kombination von Gold und Silber im Grab von Psusennes I macht ihn zu einem der am prächtigsten bestatteten Pharaonen der späten ägyptischen Geschichte. Der Spitzname „Silberkönig“ ist daher nicht nur eine Referenz auf das Material seines Sarges, sondern auch ein Ausdruck seiner einzigartigen Stellung im Totenkult des Alten Ägyptens.


Die Goldene Tafel: Beschreibung & Material

Die Goldene Tafel ist eine flache, rechteckige Platte aus massivem Gold, verziert mit feiner Reliefarbeit. Sie misst etwa 30 x 20 Zentimeter und diente vermutlich als rituelles Objekt, das entweder im Grab oder am Körper des Königs platziert wurde.

Auf der Oberfläche sind unter anderem die Vier Söhne des Horus abgebildet – mythologische Schutzgötter, die für die vier Hauptorgane des Verstorbenen zuständig waren:

  • Imsety – Schutz der Leber
  • Hapy – Schutz der Lunge
  • Duamutef – Schutz des Magens
  • Qebehsenuef – Schutz der Därme

Diese Gottheiten waren zentrale Bestandteile des Bestattungsrituals und symbolisierten die Verbindung zwischen Körper und Jenseits.


Religiöse Bedeutung der Tafel

Die Goldene Tafel war keineswegs ein rein dekoratives Element. In der altägyptischen Religion spielte sie eine essentielle Rolle im Schutz des Verstorbenen auf seiner Reise ins Jenseits. Durch das Edelmetall Gold – das als „Fleisch der Götter“ galt – sollte Psusennes I symbolisch vergöttlicht und unvergänglich gemacht werden.

Die Darstellung der Götter und Schutzsymbole sollte:

  • Den Körper vor Verfall schützen
  • Das Herz und die Organe im Jenseits bewahren
  • Den König als göttlich legitimierten Herrscher ausweisen
  • Die Wiedergeburt im Jenseits sichern

In Kombination mit weiteren Beigaben wie Skarabäen, Amuletten, Masken und Kanopenkrügen war die Goldene Tafel Teil eines umfassenden rituellen Schutzsystems.


Fundort und Erhaltungszustand

Das Grab von Psusennes I wurde in Tanis entdeckt – einer Stadt, die heute weniger bekannt ist als das berühmte Theben. Dennoch wurde dort eine Grabstätte gefunden, deren Ausstattung an Reichtum der des Tutanchamun in nichts nachsteht. Der Unterschied: Die Totenmaske und Goldartefakte von Psusennes I sind noch besser erhalten, da das feuchtere Klima des Deltas weniger zerstörerisch wirkte als der trockene Wüstensand.

Die Goldene Tafel wurde im inneren Sarkophag gefunden – in unmittelbarer Nähe der Mumie. Heute wird sie im Ägyptischen Museum in Kairo aufbewahrt und gehört zu den wichtigsten Stücken in der Abteilung für Grabschätze aus Tanis.


Bedeutung für moderne Forschung & Tourismus

Für Historiker und Archäologen liefert die Tafel wertvolle Einblicke in:

  • Die ikonografische Entwicklung religiöser Darstellungen
  • Die Handwerkskunst der 21. Dynastie
  • Die religiöse Praxis und Jenseitsvorstellungen der Zwischenzeit

Für Besucher Ägyptens – besonders im Ägyptischen Museum Kairo – ist die Tafel ein beeindruckender Höhepunkt jeder Führung. Sie zeigt, dass die altägyptische Kultur auch in politisch unruhigen Zeiten großartige Kunstwerke hervorbrachte.


Praktische Hinweise für Reisende

  • Wo zu sehen?
    Die Tafel befindet sich im Ägyptischen Museum in Kairo (voraussichtlich zukünftig im Grand Egyptian Museum in Gizeh- GEM).
  • Erreichbarkeit:
    Zentral in Kairo – einfach mit Taxi, Bus oder geführter Tour erreichbar.
  • Tipp:
    Führungen durch die Tanis-Abteilung zeigen neben der Goldtafel auch die berühmte Totenmaske des Psusennes I sowie weitere Schmuckstücke und königliche Grabbeigaben.

Das Grand Egyptian Museum (GEM) – Die neue Heimat ägyptischer Schätze?

GEM

Mit dem Grand Egyptian Museum (GEM) entsteht am Rande von Gizeh, nur wenige Kilometer von den Pyramiden entfernt, eines der größten archäologischen Museen der Welt. Auf über 480.000 Quadratmetern Fläche soll das GEM in naher Zukunft die bedeutendsten Artefakte des alten Ägyptens unter einem Dach vereinen – darunter auch viele Stücke aus dem derzeitigen Ägyptischen Museum im Stadtzentrum von Kairo.

Der moderne, lichtdurchflutete Bau ist nicht nur architektonisch ein Highlight – er folgt auch einem völlig neuen Ausstellungskonzept: Die Objekte werden chronologisch statt thematisch präsentiert, sodass Besucher die Entwicklung der altägyptischen Zivilisation von der Frühzeit bis zur griechisch-römischen Epoche hautnah erleben können.

Wird die Goldene Tafel von Psusennes I dort gezeigt?

Zwar befindet sich die Goldene Tafel von Psusennes I aktuell noch im Ägyptischen Museum am Tahrir-Platz in Kairo, doch es gilt als wahrscheinlich, dass sie zukünftig ins GEM überführt wird – gemeinsam mit weiteren Funden aus Tanis, wie der prachtvollen Totenmaske des Königs. Das GEM wird nicht nur dem berühmten Tutanchamun einen eigenen Flügel widmen, sondern auch weniger bekannte Schätze wie die von Psusennes I und anderen Herrschern der Dritten Zwischenzeit angemessen präsentieren.

Für Reisende bedeutet das: Ein Besuch im GEM wird künftig zum zentralen Highlight jeder Ägyptenreise – mit besserem Zugang, moderner Präsentationstechnik und einem beeindruckenden Blick auf die Pyramiden gleich nebenan.

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Wer war Psusennes I?
Ein König der 21. Dynastie (ca. 1040–992 v. Chr.), der von Tanis aus regierte und mit prachtvollen Grabbeigaben bestattet wurde.

Was ist die Goldene Tafel?
Eine goldene Platte mit religiösen Symbolen, die im Grab von Psusennes I gefunden wurde. Sie diente dem Schutz des Verstorbenen im Jenseits.

Wo befindet sich die Tafel heute?
Im Ägyptischen Museum in Kairo – Teil der Ausstellung zu den Schätzen von Tanis.

Was zeigt die Goldene Tafel?
Unter anderem die vier Söhne des Horus – mythologische Schutzgötter, die im altägyptischen Totenkult eine zentrale Rolle spielten.

Ist Tanis heute besuchbar?
Ja, Tanis kann besucht werden, liegt aber abseits der typischen Touristenpfade im östlichen Nildelta.


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